Case Study · F1

Highland Cottage

Vom Blender-Grundgerüst zum fotografischen Ergebnis in vier Schritten.

Highland Cottage — finales Ergebnis, Flux.1 dev

Das finale Ergebnis

Diese Fallstudie dokumentiert einen vollständigen Workflow — vom ersten Blender-Rendering bis zum finalen Bild. Kein ausgefuchstes Setup, keine optimierten Einstellungen. Ein erster echter Test, mit bewusst einfach gehaltener Geometrie. Das Ergebnis beweist, dass das Konzept funktioniert, und genau deshalb steht es hier: als nachvollziehbarer Weg mit vier klar getrennten Etappen.

Der rote Faden ist die Trennung von deterministisch und stochastisch. Was festliegen muss, entsteht in Blender. Was frei sein darf, überlässt der Workflow der KI — Schritt für Schritt enger geführt.

Schritt 1 — Deterministisch: Blender

Blender-Grundgerüst — Highland Cottage, Rohrender

Blender-Grundgerüst

Das Blender-Rendering zeigt, was in diesem Workflow von Blender erwartet wird — und was nicht. Kameraposition, Brennweite und Proportionen sind präzise definiert und reproduzierbar. Das Haus steht, wo es stehen soll. Der Hügel, die Hecke links, der Schornstein — alles sitzt.

Materialien, Texturen und Lichtstimmung fehlen bewusst. Die Wände sind graue Flächen, die zwei Kugeln an der Tür sind nur Platzhalter. Das ist kein unfertiges Rendering, das ist die Rollenverteilung: Blender liefert die Geometrie, nicht das Bild. Die KI darf interpretieren — aber nicht neu komponieren.

Schritt 2 — SDXL mit ControlNet: die karge Basis

Aus dem Blender-Rendering wird zuerst ein Canny-Kantenbild berechnet. Es ist der Vertrag zwischen Geometrie und Modell:

ControlNet Canny — Kantenbild aus dem Blender-Render

Canny-Kantenbild

Sauberer Fall: klare Konturen für Haus, Dach, Fenster, die Hügellinie im Hintergrund. Nur links unten, an der Hecke, rauscht es etwas — organische Kanten, die Canny nicht sauber fassen kann. Für dieses Motiv unkritisch, weil die Architektur das Bild trägt. (Wie sehr texturreiche Flächen ein Canny fluten können, zeigt die Food-Fallstudie — hier ist die Geometrie das Motiv, und genau das ist ControlNet Cannys Heimspiel.)

SDXL mit ControlNet Canny — karge Basis, Komposition gehalten

SDXL-Ergebnis

Der erste fotografische Durchlauf, SDXL mit ControlNet Canny. Das Ergebnis ist karg und ehrlich: ein graues Steinhaus in den Highlands, Schieferdach, weiße Tür, dahinter Moorland und ein Loch am linken Rand. Kein Garten, kein Efeu, nichts geschönt. Die Komposition ist exakt die aus Schritt 1 — ControlNet hat die Geometrie gehalten. Das Modell hat Material, Licht und Atmosphäre ergänzt.

Zwei Beobachtungen zeigen, wo die Grenze zwischen deterministisch und stochastisch verläuft — und sie zeigen es von zwei Seiten.

Erstens die Tür: Dort stehen zwei runde Holzscheiben, die an Whiskyfässer erinnern. In Blender waren das zwei Kugeln, Buchsbaum-Platzhalter. Das Modell hat die zwei runden Formen im Canny gefunden und ihnen einen Inhalt gegeben. Wo Canny eine Form vorgibt, erzwingt es die Form — was daraus wird, rät das Modell.

Zweitens der Vordergrund: Quer durchs Bild läuft eine Trockenmauer. Im Blender-Rendering gab es sie nicht, im Prompt stand sie nicht. SDXL hat sie eigenmächtig in die leere Fläche gesetzt. Das ist die andere Seite derselben Medaille: Wo Canny nichts vorgibt, füllt das Modell den Freiraum nach eigenem Gutdünken. Die Form erzwingt Canny — den leeren Rest verhandelt das Modell mit sich selbst.

Für dieses Standbild ist die erfundene Mauer ein Glücksfall; sie passt. Aber sie ist der eine Ort im Bild, an dem die Komposition nicht geometrisch gesichert ist — ihre Lage hängt am Zufall des Modells, nicht an Blender. Genau deshalb wird sie in Schritt 3 bewusst in den Prompt übernommen: aus einem Zufallsgeschenk wird eine Vorgabe, die sich festhalten lässt.

SDXL — Positiver Prompt

(solitary stone cottage in the Scottish Highlands:1.2), small traditional croft house, rough-hewn grey granite blocks, weathered stone walls, dark slate roof, stone chimney stack, (crisp white painted front door:1.3), (bright white painted window frames:1.3), rolling moorland hills, russet heather, ochre grass, distant loch on the left, (heavy overcast sky, diffuse silver-grey light:1.1), cold damp highland atmosphere, editorial medium format photography, film grain, muted earth tones, cinematic color grading, ultra photorealistic, highly detailed, 8k

SDXL — Negativer Prompt

cartoon, illustration, painting, drawing, sketch, 3d render, cgi, low quality, low resolution, jpeg artifacts, oversaturated, hdr, blue sky, sunny, harsh shadows, lens flare, deformed architecture, warped windows, crooked lines, extra windows, extra chimney, people, person, animals, cars, modern buildings, power lines, text, watermark, signature, logo

Modell Juggernaut XL
ControlNet controlnet-canny-sdxl.safetensors
ControlNet-Stärke 0.85
Canny Low / High 41 / 150
CFG 7.0
Steps 25

Schritt 3 — Optimierung mit Flux

Finales Ergebnis Herbst Variante — Highland Cottage

Flux.1 dev · img2img · Herbstvariante

Was SDXL an Basis liefert, führt Flux zur fertigen Aufnahme. Hier kommt hinzu, was die karge Fassung noch nicht hatte: Efeu und wilder Wein in tiefem Herbstrot über der Fassade, ein Cottage-Garten aus Lavendel, Gräsern, Rosen, die zwei Buchsbaumkugeln an der weißen Tür. Die Stimmung wird dichter — schweres Wolkenlicht, gedämpfte Erdtöne.

Ein Wechsel des Mechanismus, der erwähnt gehört: Dieser Schritt lief nicht über ControlNet, sondern als img2img in einem eigenen ComfyUI-Workflow — kein Blender, kein Canny, nur das SDXL-Bild aus Schritt 2 als Referenz. Was die Komposition hier hält, ist nicht mehr die Geometrie-Kante, sondern der niedrige Denoise-Wert: img2img bleibt nah an der Vorlage, solange man es nicht zu stark rauschen lässt. Der Satz „Preserve exact composition" im Prompt stützt, was der moderate Denoise ohnehin tut.

Haus, Mauer, Hügel, das Loch links — alles bleibt an derselben Stelle. Verändert hat sich allein die visuelle Ausarbeitung. Das ist der Punkt, an dem der Workflow zeigt, was er kann: fotografische Materialität, ohne die Bildarchitektur zu verlieren.

Flux t5xxl — Prompt (Herbst)

Preserve exact composition, camera angle and framing of the reference image. A solitary stone cottage in the Scottish Highlands, late autumn afternoon. Rough-hewn grey granite blocks, weathered mortar joints, dark slate roof with moss patches, square stone chimney stack. Two clipped boxwood spheres flank the white front door. Ivy and Virginia creeper in deep autumn reds partially cover the facade. Cottage garden: lavender, ornamental grasses, wild roses with rosehips, heather, ferns at the base of the walls. Dry-stone fieldstone wall across the foreground, wildflowers and long grass at its base. Rolling moorland hills behind — russet heather, ochre grass, dark peat. Distant loch left. Heavy stratocumulus clouds, diffuse silver-grey light, imminent rain. Editorial medium format photography, film grain, muted earth tones, cinematic color grading, ultra photorealistic, 8K.

Modell Flux.1 dev (fp16)
Methode img2img (eigener ComfyUI-Workflow)
Referenz SDXL-Bild aus Schritt 2
Denoise [zu ergänzen nach Reproduktionslauf]

Schritt 4 — Season Change mit Nano Banana Pro

Der letzte Schritt ist ein Perspektivwechsel — nicht der Kamera, sondern der Jahreszeit. Dasselbe Haus, dieselbe Komposition, aber Winter: Raureif auf Mauer und Garten, das Herbstrot zu braunen Ranken verblasst, ein kaltes, silbriges Licht über der ganzen Szene.

Diese eine Variante entstand nicht lokal, sondern mit einem High-End-Modell in der Cloud (Nano Banana Pro) — ein einziges Rendering. Das ist eine bewusste Ausnahme und ich möchte sie offen benennen: Der Workflow lebt sonst von lokaler Inferenz und kleinen Modellen. Für einen kontrollierten Season Change bei erhaltener Komposition liefert ein großes Cloud-Modell hier ein Ergebnis, das den Aufwand eines lokalen Nachbaus nicht rechtfertigt. Ein Rendering, eine Ausnahme, transparent gemacht. Mehr zur Haltung dahinter auf der entsprechenden Seite.

Prompt — Season Change (Winter)

Maintain exact composition, camera angle and framing from reference image 1. Do not mirror, rotate or reframe the scene. Apply the winter atmosphere, frost texture, color palette and lighting shown in reference image 2 to the entire scene. SEASON CHANGE: deep winter. The climbing vines on the facade are bare, brown branches with no leaves. The garden plants are dormant — frost-covered dead grasses, frozen lavender stems, dried seed heads coated in rime, exactly like reference image 2. The slate roof and dry-stone wall are dusted with frost. The moorland hills are darker, desaturated, with frost in the shadowed folds, matching reference image 2. Heavy overcast sky, flat cold light, slight mist near the horizon. Editorial medium format photography, film grain, muted cold winter palette, cinematic color grading, ultra photorealistic, 8K.

Modell Nano Banana Pro (Cloud)
Referenzen Bild 1 (Komposition) · Bild 2 (Winterstimmung)
Durchläufe 1 Rendering
Highland Cottage Wintervariante — Nano Banana Pro, Cloud-Modell

Nano Banana Pro (Cloud) · Season Change · Wintervariante

Was der Test bewiesen hat

Vier Schritte, vier Werkzeuge, ein Bild — und die Komposition aus Schritt 1 steht am Ende unverändert. Das ist das Spannende an dieser Fallstudie: Nicht ein einzelnes Modell macht das Ergebnis, sondern die saubere Übergabe von einem zum nächsten. Blender legt fest, was festliegen muss. SDXL, Flux und im Ausnahmefall ein Cloud-Modell füllen, was frei sein darf — jeder Schritt enger geführt als der vorige.