Haltung

Eine Technik, die ich für problematisch halte — und trotzdem jeden Tag einsetze

Kein Greenwashing, keine Kompensationsrhetorik. Nur der Versuch, ehrlich zu sein.

KI-Bildgenerierung verbraucht Energie in einem Ausmaß, das ich nicht kleinreden will. Rechenzentren gehören zu den ressourcenintensivsten Infrastrukturen die wir gebaut haben, und der Hunger wächst mit jeder Modellgeneration. Ich lebe seit Jahren ohne Auto, fahre Rad und Zug, verzichte auf Flugreisen, und versuche so wenig zu konsumieren wie möglich. Und dann sitze ich hier und schreibe darüber, wie man KI-Modelle in professionelle Bildproduktion integriert. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen. Ich habe es versucht.

Lokale Inferenz statt Cloud-APIs macht einen echten Unterschied — jeder Render bleibt auf meiner Hardware, kein Datentransfer, kein fremdes Rechenzentrum. Kleine, bereits trainierte Modelle zu nutzen statt immer das neueste und größte anzufeuern bedeutet: kein weiteres Training wird durch meine Nachfrage befeuert. Ein gezielter Workflow statt hundert Durchläufe ins Blaue, rechenintensive Schritte nur für das finale Ergebnis — ein oder zwei Durchläufe statt zwanzig — das reduziert den tatsächlichen Energieverbrauch pro Bild erheblich. Das sind keine symbolischen Gesten. Es sind Entscheidungen, die im Alltag spürbar etwas verändern. Aber das grundlegende Problem lösen sie nicht. Das Training dieser Modelle hat stattgefunden. Die Infrastruktur existiert. Ich bin Teil dieses Systems.

Der zweite Aspekt ist mir genauso wichtig, vielleicht wichtiger: KI beschleunigt die Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Händen einiger weniger Konzerne auf eine Weise die ich für gefährlich halte. Wer die Modelle kontrolliert, kontrolliert zunehmend die Bildsprache, die Werkzeuge, die Abhängigkeiten. Das ist kein abstraktes Problem — es verändert gerade die Bedingungen unter denen professionelle Bildproduktion stattfindet.

Deshalb ist die Entscheidung für Blender, für ComfyUI, für SDXL und Flux keine rein technische. Open Source ist hier eine Haltung, kein Lizenzmodell. Werkzeuge die ohne Abonnement, ohne Konzernanbindung, ohne Lock-in funktionieren — das ist der Versuch, innerhalb eines problematischen Systems wenigstens die eigene Abhängigkeit zu minimieren.

Und dann ist da noch ein Argument, das ich mir selbst gegenüber ehrlich sein muss: Wenn ich diese Methode nicht lehre, tut es jemand anderes — jemand der sich diese Fragen nicht stellt, der keine Konsequenzen zieht, der einfach das nächste große Modell empfiehlt weil es beeindruckende Bilder macht. Das ist keine Rechtfertigung. Es ist der Grund warum ich trotzdem weitermache, obwohl die Grenze aus meiner Sicht bereits überschritten ist.

Eine Lösung habe ich nicht. Was ich habe ist eine Arbeitsweise die versucht, den Schaden zu minimieren — und die Überzeugung dass bewusster Umgang mit einer problematischen Technik besser ist als wegschauen.