3D & Blender · Grundlagen
Was du in Blender ausarbeitest — und was nicht
Eine praktische Checkliste für den RAY-L-Workflow.
B1 und B2 haben das Prinzip erklärt: Blender liefert die deterministische Struktur, die KI übernimmt die stochastische Ausarbeitung. Aber beim ersten eigenen Projekt stellt sich eine ganz praktische Frage: Was genau baue ich jetzt in Blender — und was lasse ich bewusst weg?
Diese Checkliste gibt darauf eine Antwort. Sie ist aus B1, B2 und der Fallstudie Highland Cottage destilliert — als direkte Entscheidungshilfe für den eigenen Szenenaufbau.
Das gehört in Blender
Kamera — Position, Höhe, Brennweite, Blickwinkel. Die wichtigste Entscheidung überhaupt. Sie definiert die Komposition und ist nicht nachträglich korrigierbar.
Grundgeometrie und Proportionen. Räume, Gebäude, Objekte — in ihrer tatsächlichen Größe und in den richtigen räumlichen Beziehungen zueinander. ControlNet Canny extrahiert daraus die Kantenstruktur.
Objektplatzierung. Wo genau steht das Produkt, das Möbelstück, die Figur. Diese Position bleibt über alle weiteren Schritte bestehen.
Strukturgebende Texturen. Nicht für die visuelle Ausarbeitung — sondern damit ControlNet etwas zum Erkennen hat. Ein Fliesenmuster, ein Fugenraster, eine Holzmaserung mit Verlegerichtung. Flächen ohne jede Textur liefern Canny keine Information.
Corporate-Design-relevante Elemente. Logos, Typografie, exakte Markenfarben — alles was nicht der KI-Interpretation überlassen werden darf.
Grobe Lichtrichtung. Eine einzelne Lichtquelle die ungefähr zeigt wo Licht und Schatten im Bild liegen sollen. Das beeinflusst indirekt was ControlNet als Struktur sieht.
Das gehört nicht in Blender
Vollständig ausgearbeitete Materialien. PBR-Shader mit Rauheit, Reflexion, Subsurface Scattering — für den RAY-L-Workflow überflüssiger Aufwand. Die KI liefert die Materialanmutung aus ihrem Training.
Detaillierte Lichtsetzung. Mehrere Lichtquellen, präzise Intensitäten, Farbtemperaturen — das alles interpretiert die KI aus dem Prompt. Eine vollständige Lichtsetzung kostet Zeit ohne im Ergebnis sichtbar zu werden.
Umgebungsdetails und Staffage. Pflanzen, Requisiten, Hintergrundobjekte die nicht kompositorisch relevant sind. Die Fallstudie zeigt: ein kompletter Cottage-Garten entstand ohne ein einziges Pflanzenmodell in Blender.
Finale Renderings. Kein Path Tracing, keine langen Renderzeiten, kein Postprocessing. Das Blender-Ergebnis ist ein Werkzeug für ControlNet — kein fertiges Bild.
Atmosphärische Effekte. Nebel, Regen, Lichtstreuung, Bokeh — alles was Stimmung erzeugt statt Struktur. Das ist der Bereich in dem die KI ihre größte Stärke hat.
Das ist optional — abhängig vom Projekt
Materialhinweise für spezifische Elemente. Wenn ein Material exakt definiert sein muss — ein bestimmtes Parkettmuster, ein Markenstoff — dann gehört es nicht vollständig in Blender, sondern als Referenzbild in den KI-Workflow.
Mehrere Kameras. Sinnvoll wenn verschiedene Perspektiven derselben Szene getestet werden sollen, bevor der erste RAY-L-Durchlauf startet.
Platzhalter-Geometrie für Figuren oder Personen. Wenn eine Person im Bild vorkommen soll, braucht ControlNet eine grobe Figur — Proportionen und Haltung genügen, Details übernimmt die KI.
Praktischer Ablauf
- 01Kamera setzen. Vor allem anderen. Mehrere Varianten testen wenn nötig.
- 02Grundgeometrie aufbauen. Räume, Objekte, Proportionen — in der finalen Größe und Position.
- 03Strukturgebende Texturen ergänzen. Dort wo ControlNet eine Information braucht die aus reiner Geometrie nicht hervorgeht.
- 04Grobe Lichtquelle setzen. Eine Richtung, keine Ausarbeitung.
- 05Canny-Export und ControlNet-Durchlauf. Erst jetzt kommt die KI ins Spiel.
- 06Referenzbilder vorbereiten — falls spezifische Materialien oder eine Zielstimmung definiert werden sollen.
Die kurze Version
Wenn du dir bei einem Element unsicher bist, hilft eine einzige Frage:
Würde sich dieses Element ändern, wenn ich morgen dasselbe Projekt mit anderen Materialien oder einer anderen Stimmung wiederhole?
Wenn nein — es gehört nach Blender. Es ist Teil der Struktur.
Wenn ja — es gehört in den Prompt oder als Referenzbild. Es ist Teil der Interpretation.
Diese eine Frage ersetzt die meisten Detailentscheidungen.
Eine Ausnahme: maskenbasiertes Outpainting
Diese Checkliste gilt für den ControlNet-Canny-Workflow — die gesamte Szene wird neu interpretiert, die Geometrie gibt nur die Struktur vor.
Für maskenbasiertes Outpainting (geplant für RAY-L v1.1+) gilt teilweise das Gegenteil. Wenn ein Produkt oder eine Verpackung als fixes, unveränderliches Element in die Szene eingebettet werden soll, muss genau dieses Element vollständig ausgearbeitet werden — mit Materialien, Texturen und Beleuchtung. Eine Maske schützt es vor der KI-Interpretation. Nur die Umgebung außerhalb der Maske wird von der KI generiert.
Die Logik dreht sich also um: nicht "was überlasse ich der KI", sondern "was schütze ich vor ihr." Beide Workflows folgen demselben Grundprinzip — bewusste Entscheidung darüber wo Kontrolle endet und Interpretation beginnt — nur mit unterschiedlichen Mitteln.